In Memoriam Martin Mettler

 

Martin Mettler, 1936 2005

 

Der Stellenwert der Begabungsförderung wird heute hoch eingestuft – das war nicht immer so! Als Martin Mettler 1975 als Spätaussiedler aus Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland kam und am Karolinen-Gymnasium in Frankenthal eine Stelle als Mathematiklehrer erhielt, vermisste er jegliche Spur von Förderung der mathematisch Begabten: Es gab keinerlei mathematische Tätigkeit außerhalb des Unterrichts, keine Mathe-AG, keine Teilnehmer am gerade erst gestarteten Bundeswettbewerb Mathematik, geschweige denn an der Internationalen Mathematik-Olympiade. Da war der begeisterte Mathematiker Mettler aus Rumänien Anderes gewöhnt!

Martin Mettler wurde am 24. März 1936 in Gertianosch im rumänischen Banat geboren. Von 1951 bis 1955 erhielt er eine Ausbildung als Grundschullehrer an der Pädagogischen Lehranstalt Temeswar. Anschließend studierte er von 1956 bis 1960 in Temeswar Mathematik und Physik und war ab 1960 Professor in diesen Fächern am Lyzeum in Oberwischau und an der deutschen Abteilung des „Brediceanu Lyzeums“ Lugosch. 1975 siedelte er von Rumänien in die Bundesrepublik Deutschland um. Nach Anerkennung seines Studiums durch weitere Prüfungen wurde er zum Studienrat und später Oberstudienrat am Karolinen-Gymnasium Frankenthal ernannt. Ab 1983 unterrichtete er am Elisabeth-Langgässer-Gymnasium Alzey, wo er sich auch an der Ausbildung der Referendare beteiligte. Von 1993 bis 1998 war er für den Auslandsschuldienst in Ungarn beurlaubt. 1998 wurde Martin Mettler pensioniert.

Bereits als Schüler war Martin Mettler Mitarbeiter der rumänischen Mathematik-Zeitschrift für Schüler „Gazeta Matematica“ und erfolgreicher Teilnehmer an den Mathematik-Olympiaden. Als Lehrer gehörte er bis zur Übersiedlung in die Bundesrepublik dem Redaktionskollegium dieser Zeitschrift an. Vor diesem Hintergrund spielte sich auch die Entstehungsgeschichte von MONOID ab: Im Rahmen der Festlichkeiten zur 200-Jahrfeier des Karolinen-Gymnasiums 1980 veranstaltete die Mathematik-Fachschaft einen innerschulischen Mathematik-Wettbewerb, dessen unerwartet hoher Anklang bei den Schülern und Schülerinnen Anlass war, die Ergebnisse und schönsten Lösungen in einem Blatt festzuhalten. In seinem wunderbaren Buch „Vom Charme der ‚verblassten’ Geometrie“, das Martin Mettler im Jahre 2000, dem von der UNESCO ausgerufenen „World Mathematics Year“, MONOID, dem „Mathematikblatt für Mitdenker“, zum 20. Geburtstag widmete, schildert er die weitere Entwicklung dieses ersten Blattes so:

„Dies geschah in einer Zeit, in der gerade der ,Rubik-Würfel' durch die Lande zog, und wir überlegten, ob unser Blatt nicht attraktiver wäre, wenn auch eine Lösung des Würfel-Problems zu finden wäre. Eine Knobelseite sollte auch nicht fehlen, und selbstverständlich mussten auch ,NEUE AUFGABEN' hinein, um die soeben aus ihrer Lethargie geweckten Aufgaben-Löser auf Trab zu halten. So wurde aus dem ,Blatt' ein ansehnliches Heft von 32 (teils handgeschriebenen, teils getippten) Seiten. Nun musste das Heft auch noch einen Namen und ein Titelblatt erhalten, und schon war die erste Ausgabe der Mathe-Zeitschrift fertig.“ [1. Ausgabe 01.06.1981]

Der Name „MONOID“ erinnert an eine mathematische Struktur, an deren Axiome relativ wenige Anforderungen gestellt werden: eine nichtleere Menge mit einer binären assoziativen Verknüpfung mit neutralem Element (Beispiel: IN,*). Mit „Monoid“ soll als Ausdruck der Bescheidenheit nach dem Willen des Begründers signalisiert werden, „dass man klein und bescheiden, sozusagen mit dem kleinen Einmaleins der hohen Mathematik, beginnen wolle“. Doch mit jeder Ausgabe wurde MONOID während der 20 Jahre, in der Martin Mettler zusammen mit Kollegen an seinen beiden Gymnasien in Frankenthal und Alzey diese einzigartige Schülerzeitschrift für Mathematik herausbrachte, anspruchsvoller, formal rigoroser, inhaltsreicher, schöner in der Aufmachung. Das Verbreitungsgebiet dehnte sich nach und nach auf das gesamte Bundesgebiet und das benachbarte Ausland aus und entsprechend stieg die Auflage, insbesondere nachdem der Fachbereich Mathematik und Informatik der Universität Mainz im Jahre 2001 auf Nachfrage von Martin Mettler – der wohl die heraufziehenden Krankheitsprobleme schon erahnte – die Herausgabe übernahm.

Dabei stellte Martin Mettler nicht nur zahlreiche Beiträge und Aufgaben zur Verfügung, er bewältigte auch den Hauptteil der Korrekturen der eingereichten Schülerlösungen – zuletzt vom Krankenbett in der Reha-Klinik aus, bis ihm die Krankheit den Stift aus der Hand nahm. Seine wertvollen Ratschläge werden wir sehr vermissen.

Martin Mettler sorgte auch dafür, dass sich Löserfleiß lohnte und in einer jährlichen Feier mit Preisen geehrt wurde. Er warb um Sponsoren, war aber selbst größter Sponsor für MONOID. So floss der Erlös aus seinem Buch „Vom Charme der verblassten Geometrie“ zum größten Teil auf das MONOID-Konto. Mit Blick auf das 25-jährige Jubiläum hatte Martin Mettler noch rechtzeitig begonnen, einen Querschnitt durch die ersten zehn MONOID-Ausgaben 1981 – 1984 sowie weitere Heften zu ziehen und durch einen Rückblick auf 25 Jahre MONOID sowie durch eine lange Liste von erfolgreichen Löserin­nen und Lösern zu ergänzen. Seine Familie hat das Buch im DIN A4-Format unter dem Titel Spiel und Spaß mit Mathe zur MONOID-Feier am 26. November 2005 herausgegeben.

Zu einer Würdigung der Verdienste von Martin Mettler gehört der Hinweis auf sein großes Engagement im Rahmen mathematischer Wettbewerbe. So war er von 1986 bis 1988 einer der Initiatoren des Landeswettbewerbs Mathematik Rheinland-Pfalz, der wesentlich zur Bestimmung der Ziele, der Inhalte und der Organisationsstrukturen des Wettbewerbs beitrug, und sorgte von 1989 bis 1993 als dessen Leiter durch sein unermüdliches Wirken für die Etablierung des Wettbewerbs als die „Förderungsveranstaltung in Rheinland-Pfalz“ auf mathematischem Gebiet für Schülerinnen und Schüler aus Unter- und insbesondere Mittelstufe. Dazu gehört auch die Mitarbeit Martin Mettlers in den Aufgaben-Kommissionen des Bundeswettbewerbs Mathematik und der Mathematik-Olympiade. Für seine hervorragenden Leistungen in der Anregung von Schülerinnen und Schülern zu besonderen naturwissenschaftlichen Interessen verlieh ihm am 12. Dezember 2003 die Karl Heinz Beckurts-Stiftung in der Münchener Residenz den Lehrerpreis 2003.

Das Problemlösen bei MONOID stellt ein ausgezeichnetes Training für die Teilnahme an solchen Wettbewerben dar, und so waren und sind zahlreiche MONOIDaner dort auf vordersten Plätzen zu finden. Nicht wenige absolvierten (und absolvieren noch) erfolgreich Universitätsstudien mit Promotionsabschluss (in Mathematik und anderen Fächern) oder gelangten gar auf eine Professur.

Leider war es Martin Mettler nicht mehr vergönnt, das 25-jährige Jubiläum seiner Zeitschrift zu erleben. Er verstarb am 11. September 2005 nach schwerer Krankheit in seinem Heim in Carlsberg. Das Institut für Mathematik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird das Andenken an Martin Mettler und seine hohes Engagement für die Mathematik dadurch ehren, dass es die von ihm begründete Zeitschrift MONOID an der Schnittstelle von Universität und Schule weiterhin pflegt und fort entwickelt.

 


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